
25.09.2010
Schachclub Aadorf: Trotz Sieg folgt Abstieg
Im letzten Spiel der diesjährigen Schweizerischen Mannschaftsmeisterschaften konnte das Aadorfer-Raiffeisenteam gegen das nominell deutlich stärkere St.Gallen einen glorreichen Sieg erringen. Nach einem packenden, sechsstündigen Duell obsiegten die Aadorfer am Ende mit 3.5 : 2.5 Punkten. Doch leider reicht dieser Sieg nicht aus, um den Abstieg zu verhindern.
In der Regel kristallisiert sich bei Meisterschaftsrunden schon nach wenigen Minuten bei der einen oder anderen Partie ein Favorit heraus. Doch nicht so an diesem Nachmittag. Das Damoklesschwert Abstieg vor Augen, kämpften die Aadorfer von der ersten Minute weg äusserst konzentriert. Statt dem beliebten Vabanquespiel wählte man diesmal sichere Varianten.
Karl Brunner, am ersten Brett agierend, entschied sich für das von ihm selten gespielte Damengambit. Allerdings beherrschte sein Gegner diese Eröffnung gleichermassen, so dass sich ein ausgeglichenes Spiel ergab. Nach einer zu optimistischen Abwicklung zu Beginn des Mittelspiels verlor der Aadorfer einen Bauern, gewann diesen jedoch eine Stunde später mit einer schönen Kombination wieder zurück. Und es kam noch besser: Brunner erarbeitete sich in der Folge zwei verbundene Freibauern. Im verzweifelten Bemühen, diese aufzuhalten, büsste sein Gegner dermassen viel Zeit ein, dass er nach dem 39. Zug die Zeit überschritt und die Partie verlor. Aadorf führte 1:0. Der andere Aadorfer Leistungsträger, Paul Frischknecht, konnte mit den weissen Steinen seine Lieblingseröffnung – die Italienische – spielen. Doch seine anfängliche Euphorie verflog rasch, als er merkte, dass auch sein Gegner die besten Züge aus dem FF kannte. Dieser parierte sämtliche Drohungen und zwang den Aadorfer durch raschen Figurentausch in eine endspielähnliche Partie. In einer solchen Situation konnte der Aadorfer seine gefürchteten Kombinationen nicht mehr wie gewohnt ausspielen und musste sich am Ende mit einem Remis zufrieden geben.
Nun begann St.Gallen mit der Aufholjagt. Fritz Zbinden hatte sich nach vielversprechendem Beginn mit deutlichen Vorteilen in ein unglückliches Endspiel manövriert. Der fehlende Bauer wog schwer und trotz verzweifelter Gegenwehr gelang es dem Aadorfer nicht mehr, ein Remis zu halten. St.Gallen hatte ausgeglichen. Nun sah es für die Thurgauer ziemlich düster aus, denn auch Patrick Lengg’s Stellung versprach nichts Gutes. Und ganz offensichtlich sah dies auch sein Gegner so, denn dieser schenkte den Drohungen des Aadorfers partout keine Beachtung. Statt seinen König in Sicherheit zu bringen, schnappte er sich vorschnell einen Bauern und sah sich zwei Züge später in einem nicht mehr abzuwendenden Mattnetz gefangen. Weniger Glück hatte Raphael Golder. Der Aadorfer hatte sich im Mittelspiel deutliche Vorteile erarbeitet und drohte, einen seiner Bauern in eine Dame umzuwandeln. Doch dann übersah der Aadorfer die siegbringende Fortsetzung. Dies erlaubte seinem Gegner, die Stellung zu vereinfachen und die Türme zu tauschen. Im resultierenden Endspiel unterlief Golder eine weitere Ungenauigkeit, so dass ihm am Ende ein einziges Tempo fehlte, um die Partie ins Remis zu retten. St.Gallen hatte erneut ausgeglichen. Nun war lediglich noch eine einzige Partie im Gang. Ruedi Duttweiler hatte sich in der Eröffnung einen kleinen Vorteil herausgearbeitet. Anschliessend bewies der Aadorfer-Routinier, dass Geduld auch im Schach eine Tugend ist. Während stunden hielt er konzentriert an seinem Vorteil fest und brachte am Ende, unter den bangen Blicken seiner Teamkameraden, den verdienten Sieg ins Trockene. Nach einem solchen Exploit wiegt die Enttäuschung natürlich umso schwerer, dass es nun doch nicht für den Verbleib in der dritten Liga reicht.
Die Resultate im Einzelnen: St.Gallen 4 – Aadorf: 2.5 : 3.5 ; Schmidt – Brunner 0:1 ; Eisenbeiss – Golder 1:0 ; Zink – Lengg 0:1 ; Überwasser – Frischknecht 0.5:0.5 ; Rüttimann – Duttweiler 0:1 ; Dietrich – Zbinden 1:0